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Die Entwicklung der Johannisloge “Zu den Romeriken Bergen” und der Freimaurerei in Remscheid

 

Vorbemerkung:

Die Akten der Johannisloge “Zu den Romeriken Bergen” aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg sind bis auf wenige Schriftstücke verloren gegangen. Soweit sie nicht durch die Geheime Staatspolizei beschlagnahmt wurden, hatten sie Br. Friedrich Heinemann und den Ökonom Heinrich Gillmann an sich genommen. Das Haus von Br. Heinemann wurde beim Luftangriff auf Remscheid in der Nacht vom 30. zum 31. Juli 1943 von Bomben getroffen; seine dienstlichen und privaten Akten sind verbrannt. Er selbst zählte zu den Toten des Angriffs. Das von dem Ökonomen Gillmann übernommene Logenhaus wurde im Jahre 1944 durch eine Luftmine total zerstört und das Inventar völlig vernichtet. Der Loge verblieben nur einige wenige Unterlagen, die nach und nach aus Privatbeständen der Brüder zusammengetragen wurden, darunter die Festschrift zum 25jährigen Bestehen der Loge im Jahre 1928. Die Stiftungsurkunde wurde am 20. Mai 1950 nach den damals zumeist nur aus der Erinnerung gemachten Angaben von der Großen Landesloge erneuert und fälschlich auf den 24. Juni 1902 datiert.

Vom dem 1935 und später beschlagnahmten Schriftgut sind nach der deutschen Wiedervereinigung im Jahre 1990 die Mitgliederverzeichnisse aus den Jahren 1910 bis 1932, die Liquidationsabrechnungen und ein Archivverzeichnis der Johannisloge “Zu den Romeriken Bergen” sowie die den Schriftverkehr zwischen dieser Loge und den Großen Landeslogen enthaltenden Akten der großen Landeslogen mit den Jahresberichten und teilweise auch den Protokollen über die durchgeführten Logenarbeiten und einzelne gehaltene Vorträge nach einer Irrfahrt über Moskau im Zentralen Staatsarchiv in Merseburg wieder aufgetaucht. Sie befinden sich heute in Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin. In ihnen ist eine Akten-Ausfertigung der Konstitutions-(Stiftungs-) Urkunde mit handschriftlichen Namens- und Datumseinsetzungen und Originalunterschriften vom 11. Januar 1903 enthalten, die außer im Datum nur unwesentlich von der 1959 erneuerten Urkunde abweicht. Das lange Fehlen verlässlicher Unterlagen mag einige Abweichungen zu früheren Veröffentlichungen erklären.

Die jetzt 100jährige Johannisloge “Zu den Romeriken Bergen” ist die erste und älteste Freimaurerloge in Remscheid. Sie ist aber nicht der Anfang freimaurerischen Lebens in dieser Stadt. Schon 1816 nennt ein Mitgliederverzeichnis der Johannisloge “Zu den drei Verbündeten” in Düsseldorf drei Remscheider Bürger: den Kaufmann Ferdinand Hasenclever aus Ehringhausen, den Notar Andreas Rieger und den Landmesser Johann Wilhelm Buchholz.

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war die Zahl der in Remscheid lebenden Brüder deutlichen angewachsen. Sie gehörten verschieden auswärtigen Logen an, hatten zu ihren Zusammenkünften also immer zeitaufwendige und beschwerliche Wege zurückzulegen. So kam es am 15. November 1860 auf Einladung von Br. Friedrich-Wilhelm Erbschloe (Halbach) an allen in Remscheid, Ronsdorf, Lüttringhausen und Cronenberg wohnenden Brüder zu einem Treffen von 10 Brüdern, um die Gründung eines maurerischen Kränzchens in Remscheid vorzubereiten. Eine Woche später wurden die Statuten beraten und von 23 Brüdern unterschrieben. Bis 1873 schlossen sich ihnen noch 32 weitere Brüder an. Man traf sich alle 14 Tage im Lokal des Br. Clarenbach in der Haddenbach. den Vorsitz übernahm im ersten Jahr des Bestehens Br. Friedrich-Wilhelm Erbschloe, danach bis 1870 Br. August Erbschloe und dann bis 1876 Br. Otto Pfaffenbach.

Die wachsende Mitgliederzahl zwang dazu, dass man sich schon bald nach anderen Räumlichkeiten für die treffen umsehen musste. Weil sich offenbar keine andere Möglichkeit bot, verpflichteten sich 1865 die Brüder Karl Friedrichs, Emil Hasencelver, Fritz Rocholl, Robert Hasenclever, Franz Brockhaus, August Erbschloe, Reinhold Arns, Franz Pollmann, Heinrich Butt, Richard Lindenberg und August Hasencelver, von der Gesellschaft “Genügsamkeit” auf Sieperhöh ein Lokal auf 10 Jahre zu 50 Taler jährliche Miete zu übernehmen und zu einem Gesellschaftshaus auszubauen. Vor dessen Fertigstellung verstarb Br. Clarenbach. Vorübergehend fand man bei der Mutter von Br. Emil Hasenclever in der Haddenbach ein Ausweichquartier. Ab Ende 1874 wurde die zahl der Treffen und Teilnehmer geringer; nach 1876 fanden wohl gar keine Treffen mehr statt.

Aber schon 1878 gründeten 18 Brüder ein neues Kränzchen, in dem man bis zu achtmal im Jahr zusammenkam, um Vorträge zu hören und zu besprechen, Fragen zur Diskussion zu stellen und maurerische Geselligkeit zu pflegen. Zum Vorsitzenden wählte man den damaligen Oberbürgermeister Br. Ludwig von Bohlen.

Nachdem sich auch dieses Kränzchen als nicht recht lebensfähig erwies, kam es im März 1885 in einem dritten Anlauf zur Gründung einer maurerischen Vereinigung, die wohl straffer organisiert war und sich am 25 Februar 1893 offiziell die Johannisloge “Lessing” in Barmen, einer Tochterloge der Großen National-Mutterloge in den preußischen Staaten genannt “Zu den drei Weltkugeln”, unterstellte. Vorsitzender war im ersten Jahr Br. Franz Brockhaus, von 1886 bis 1898 Br. Franz Heitmeyer, von 1898 bis 1900 Br. Eduard Böhm, von 1900 bis 1901 Br. Hermann Haedicke und ab 1901 Br. Emil Knippschild.

Br. Knippschild und Br. Wilhelm Ostermann griffen dann den “mit dem regeren und regelmäßigeren Besuch der festgesetzten Abende” unter den Brüdern laut gewordenen Wunsch auf, “mit Einsetzung aller Kräfte allmählich dahin zu wirken, dass in Remscheid eine Loge gegründet werde” ( so die beiden genannten in einer von ihnen gefertigten “Darstellung des Hergangs von der Entstehung der Logengründung bis zur Beschlussfassung”). Am 5. Dezember 1901 erklärten sich 23 Brüder bereit, einer in Remscheid zu gründenden Freimaurerloge beizutreten, wenn mindestens 25 Mitglieder gewonnen würden. Am 8 Februar. 1902 erhielten mehrere Brüder den Auftrag zu prüfen, ob die Finanzierung gesichert werden könne. Schon am 1. März 1902 legte der Stadtbaurat Br. Hugo Hertwig einen Plan vor, wie 7 Zimmer im Schierenschen Hotel als Logenräume genutzt werden konnten, und Br. Hugo Mende bezifferte die anzubringenden Kosten für die innere und äußere Einrichtung mit ca. 6.000 Mark. Am 12. April 1902 waren bereits Spenden in Höhe von 4.865 Mark gezeichnet.

Wenn auch die ursprüngliche Zustimmung der Eigentümerin des Hotels Schieren zurückgenommen wurde, kam es am 10. Mai 1902 zum Gründungsbeschluss. Die Frage welcher Großloge man sich anschließen wolle, wurde mit 10 Stimmen für die Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland gegen 7 Stimmen für die Große National-Mutterloge “Zu den drei Weltkugeln” entschieden. Am 6 Juni 1902 einigte man sich auf den von Br. Gottlieb Cortes vorgeschlagenen Namen “Zu den Romeriken Bergen”.

Mit dem handschriftlichen Vermerk “genehmigt” auf dem entsprechenden Gesuch des Vorstandes der Großen Landesloge erteilte der Ordensmeister und der Protektor der 3 altpreußischen Großlogen, Br. Prinz Friedrich Leopold von Preußen, am 1. Juli 1902 seine Zustimmung zur Logengründung in Remscheid. Noch im selben Monat wurden Br. Hermann Spier, Kaufmann und Mitinhaber des Handelshauses Honsberg & Spier, zum Logenmeister, Br. Gottlieb Corts, Fabrikant, Stadtverordneter und Stadtbaurat, zum 2. Aufseher und Br. Julius Schmidt, Kaufmann, zum Schatzmeister gewählt. Dem Meisterschurz und dem Band, an dem das Bijou getragen wird, gab man die Farben weiß-rot in Anlehnung an die alten bergischen Farben.

Den vom 16.September 1902 datierten Revers “behufs Gründung einer neuen Johannis-Freimaurer-Loge genannt, “Zu den Romeriken Bergen” in Remscheid unterschrieben mit:

Hermann Spier Julius Schmidt Friedrich Schnell
Emil Knippschild Hugo Hertwig Richard Blecher
Wilhelm Ostermann Johann Kunz Richard Hilbert
August von der Crone Hugo Mende Hermann Zellmer
Reinhold Hesse Karl Ermelbauer Gustav Schürmann
C. Robert Tesche Richard Stein Richard Wagner
J. Hermann Hakenberg Richard Jansen Kuno Alsing
Gottlieb Corts Albert Rosenkranz Max Hilberts

 

24 Brüder, die aus ihren bisherigen Logen in Barmen, Elberfeld, Frankfurt/Main, Hagen, Jülich, Köln, Schwelm und Solingen ausschieden und als Mitstifter der neuen Loge beitraten. Weitere 24 Brüder blieben (noch) in ihren Mutterlogen in Barmen, Düsseldorf, Elberfeld, Emmerich, Köln, Limburg, Merseburg und Solingen und ließen sich als permanent besuchende Brüder in Remscheid annehmen.

Die Junge Loge fand ihre ersten Logenräume im Hotel Weinberg. Dort erfolgte unter Teilnahme von 175 Brüdern am 11. Januar 1903 mit dem Fest der Logenweihe die Lichteinbringung und Überreichung der Konstitutionsurkunde vom gleichen Tage durch den Landesgroßmeister Br. Eugen von Kuycke und damit die offizielle Einsetzung der Loge.

Zum Stiftungsfest 1910 hatte die Loge bereits 60 wirkliche Mitglieder, 12 ständig besuchende Brüder und 4 Ehrenmitglieder. Bei der auch weiterhin steigenden Mitgliederzahl wurden die angemieteten Räume im Hotel Weinberg sowohl für die rituellen Arbeiten als auch für die Tafellogen, Brudermahle und geselligen Zusammenkünfte zu klein. In einer Logenversammlung am 24.Oktober 1910 wurde daher eine Baukommission gebildet und beauftragt, den Erwerb eines eigenen Logenhauses vorzubereiten. Ihr Vorschlag, aus dem der AG Alexanderwerk A. von der Nahmer gehörenden Grundstück Königstraße 45 eine Teilfläche von 1.971 qm mit aufstehenden Gebäuden, die bis dahin von einem früheren Generaldirektor der Firma bewohnt waren, zum 1.November 1911 zum Preise von 76.500 Mark zu kaufen wurde in einer Logenversammlung am 19.Juli 1911 einstimmig angenommen. Für einige bauliche Änderungen und die Einrichtung wurde ein Betrag von 10.000Mark veranschlagt. Während etwa die Hälfte der Kosten durch die Brüder in Form von Spenden und zinslosen Darlehen aufgebracht wurde, musste die anderen Hälfte durch eine Hypothek finanziert werden. Am 18. Februar 1912 wurde das eigene Logenhaus in einer Festarbeit mit Lichteinbringung durch den Landesgroßmeister Br. Stanislaus Graf zu Dohna eingeweiht.

Mit dem folgenden Johannisfest endete für Br. Hermann Spier seine Amtszeit als Logenmeister und eine außerordentlich erfolgreiche Aufbauarbeit. Er hatte gebeten, von einer Wiederwahl abzusehen. Ihm folgte in der Hammerführung Br. Richard Wagner, Professor und Studienrat am Realgymnasium. Ihn traf die schwere Aufgabe, die Loge durch die wirre und unglückliche Zeit des Ersten Weltkrieges und die ersten Nachkriegsjahre zu führen. Über 50 Brüder wurden im Verlauf des Krieges zum Heeresdienst herangezogen, 47 Brüder kehrten mit Kriegsauszeichnung zurück. Br. Seibert fiel schon Anfang des Krieges, viele andere wurden verwundet oder mussten den Tod eines Sohnes beklagen. Mit Geld- und Sachspenden halfen die Schwestern und Brüder, eintretende Not zu lindern. Im Logenhaus wurde zu Anfang des Jahres 1916 mehrere Räume als Tagesheim für verwundete, kranke und erholungsbedürftige Soldaten zur Verfügung gestellt.

Ein Kriegserlebnis besonderer Art hatte Br. Johannes Mättig. Der Professor und Studienrat an der städt. Oberrealschule war bei Ausbruch des Krieges im Ausland und kam als Zivilinternierter in das französische Gefangenenlager Ile Longue bei Brest. Dort gründete er mit 11 anderen Brüdern aus verschiedenen Ländern eine internationale Feldloge “In Ketten zum Licht” mit eigenem Bijou und Siegel, die aber wegen der französischen Zensurbestimmungen keinen Kontakt mit anderen Logen aufnehmen und sich auch keiner Großloge unterstellen konnte. Auf seinen Antrag gewährte ihm und den übrigen zur Großen Landesloge gehörenden Brüdern dieser Feldloge der Landesgroßmeister Br. Eugen Müllendorff am 9. Februar 1921 das Recht, während der ganzen Dauer ihrer Ordenszugehörigkeit das Bijou der Feldloge in den rituellen Arbeiten zu tragen.

Als Br. Wagner 1920 in den Ruhestand trat, nach Jena verzog, sich dort der Johannisloge “Zur Akazie am Saalestrande” anschloß und sein Amt als Logenmeister in der Loge “Zu den Romeriken Bergen” aufgab, hatte er in seiner Amtszeit 43 Suchenden das maurerische Licht erteilt. Die Loge war auf 104 wirkliche Mitglieder, 18 besuchende Brüder und 9 Ehrenmitglieder angewachsen. Er hatte eine Sterbe- und Unterstützungskasse für die Logenmitglieder gegründet und das Logengrundstück durch den Ankauf eines unbebauten Nachbargrundstücks erweitert.

Sein Nachfolger wurde am Johannisfest 1920 Br. Ottomar Ruppert, Dr. Ing. h. c., Direktor der Bergischen Stahlindustrie, Vorstandsmitglied der Vereinigten Stahlwerke AG und der Deutschen Edelstahlwerke AG, der aber schon im November 1920 seinen durch die damalige wirtschaftliche Lage bedingten schwere und zeitraubenden beruflichen Aufgaben Tribut zollen musste und deshalb von seinem Amt zurücktrat.

Ihm folgte Br. Karl Ernst Laubenburg, Dr. med. und Sanitätsrat, der in Remscheid als Frauenarzt praktizierte und eine Chefarzt-Tätigkeit an der Fabricius-Klinik ausübte. Mit der 1923 erfolgten Gründung der selbständigen Andreasloge “Perseverantia” für Brüder aus den weiterführenden Erkenntnisstufen der Großen Landeslogen, die ihre Arbeiten auch im Logenhaus an der Königstraße durchführen wollten, ergab sich die Notwendigkeit einiger Umbauten, die bis 1926 abgeschlossen wurden. Im Herbst 1925 stürzten der in Elberfeld als Arzt tätige einzige Sohn von Br. Laubenburg in den Alpen tödlich ab, worauf er bat, ihn von seinem Amt als Logenmeister zu entbinden. Die Brüder folgten seiner Bitte verständnisvoll und wählten Br. Friedrich Heinemann, Dr. jur. und Notar in Remscheid, zu seinem Nachfolger.

Er wurde am Johannis- und Stiftungsfest 1926 in sein Amt eingesetzt. Unter ihm erlebten die Loge im Jahr 1928, dem Jahr ihres 25jährigen Bestehens, ihren höchsten Mitgliederstand: 138 wirkliche Mitglieder, 14 besuchende Brüder und 16 Ehrenmitglieder. Mit dem Stiftungsfest am 21. Januar 1928 wurde unter großer Beteiligung auch auswärtiger Brüder das Jubiläum gefeiert. In den Folgejahren sank die Mitgliederzahl nicht unter 130 wirkliche Mitglieder Br. Heinemann konnte in seiner Amtszeit 21 Suchende in die Loge aufnehmen. Von 1932 bis 1933 übernahm Br. Kurt Borchard, Dr. phil. und Handelskammersyndikus, die Hammerführung.

Nicht nur die Loge ”Zu den Romeriken Bergen” sondern die Freimaurerei mit ihrem Gedankengut waren zu einem festen Bestandteil im geistigen und gesellschaftlichen Leben Remscheids geworden. Davon zeugt auch die Existenz von zwei weiteren Freimaurerlogen, die untereinander enge brüderliche Kontakte pflegten. Am 14. Februar 1912 waren in Lennep die nach dem Zweiten Weltkrieg nicht reaktivierte Johannisloge “Zur Bergischen Bruderkette” und am 23. Februar 1923 in Remscheid die auch heute noch arbeitende Johannisloge “Zur Stadt auf dem Berge” gegründet worden. Beide hatten sich der Großen National-Mutterloge “Zu den drei Weltkugeln” unterstellt.

Anfeindungen der Freimaurerei und die bis heute nicht abgerissene Verbreitung von Horrorgeschichten über den angeblichen “Geheimbund” konnten diese aufstrebende Entwicklung nicht aufhalten. Auch die von Erich und Mathilde Ludendorff in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts aufgestellten Behauptungen über hochverräterische Verschwörungsideen und das Streben der Freimaurerei nach einer Weltloge und einer jüdisch-freimaurerischen Weltherrschaft erschienen zunächst als nicht erklärbare Hass- und Hetztiraden. Sie erlangten aber eine gefährliche politische Bedeutung, als die NSDAP sie sich zu eigen machte und durch ihren Chefideologen Alfred Rosenberg erhärtete. Mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus in Deutschland im Jahre 1933 standen nicht nur die Freimaurerei allgemein sondern auch die einzelnen Logen und die einzelnen Freimaurer am Pranger. Die freimaurerische Gesinnung war mit den Ideen des Nationalsozialismus und den Zielen der nationalsozialistischen Regierung nicht in Einklang zu bringen.

Der wieder an der Spitze der Loge stehende Br. Laubenburg hatte die schwierige Aufgabe, die einzelnen Brüder und die Logen möglichst vor Schaden zu bewahren. Man traf sich zwar weiter im Logenhaus; rituelle Arbeiten wurden aber nicht mehr durchgeführt. Kontrollbesuche der Staatspolizei und von Parteifunktionären erfolgten nach einem Brief von Br. Laubenburg zunächst “in ganz correcter und höflicher Form” ohne Durchsuchung und Beschlagnahmen. Auf Anraten der Großen Landesloge wurde in einer Mitgliederversammlung am 17. Juli 1935 die Johannisloge “Zu den Romeriken Bergen” ohne Aussprache einstimmig aufgelöst und das Liquidationsverfahren eingeleitet. Liquidator wurde Br. Paul Rosenthal, Berlin, sein Remscheider Bevollmächtigter Br. Hans Sassenhausen. Damit kam man dem am 17. August 1935 ausgesprochenen Verbot der Freimaurerei zuvor, konnte aber die Beschlagnahme und Einziehung des “volks- staatsfeindlichen Vermögens” der Loge nicht verhindern. Einzelne Ritualgegenstände und Akten wurden noch rechtzeitig privat aufbewahrt; die übrigen Ritualien, Archiv und Bücherei wurden im Januar 1936 von der Geheimen Staatspolizei aus Düsseldorf abgeholt.

Das Logenhaus Königstraße 45 wurde, nachdem die Evangelische Kirchengemeinde und die Stadt einen Erwerb abgelehnt hatten, an den langjährigen Ökonom des Hauses Heinrich Gillmann und Frau verkauft. Sie betrieben es als Restaurant weiter. Der kulante, aber von staatlichen Behörde anerkannte Kaufpreis von 25.000 RM wurde nach der Anrechnung einer Resthypothek in Raten mit dem Vermögen der Loge an den Liquidator der Großen Landesloge abgeführt und verfiel dadurch dem Reich. Das stolze Haus wurde 1944 durch eine Luftmine total zerstört.

Viele Brüder trafen sich an Stammtischen weiter und schlossen sich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges schon bald gemeinsam mit Brüdern der Johannisloge “Zur Stadt auf dem Berge” zu einem freimaurerischen Kränzchen zusammen. In dem Räumen der “Genügsamkeit”, die schon 80 Jahre zuvor Heimat eines Kränzchen waren, ging man freimaurerischen Gedanken nach und bereitete eine Neugründung der Logen vor. Hierfür gab es am 22. Juli 1947 die Genehmigung der Militärregierung. 64 Brüder haben dies nicht mehr erlebt. Die meisten noch lebenden Brüder waren aber dabei, als am 22. August 1947 die Johannisloge “Zu den Romeriken Bergen” unter der Hammerführung von Br. Hugo Dix, Dr. med. und praktischer Arzt. die Arbeit wieder aufnahm.

Einen gemeinsamen Tempel und Klubraum fanden die beiden Logen “Zu den Romeriken Bergen” und “Zur Stadt auf dem Berge” in der Städtischen Gewerbeschule. Dort erfolgte die Lichteinbringung am 17. Januar 1948. Gearbeitet wurde gemeinsam unter abwechselnder Hammerführung nach dem jeweiligen Ritual. Beim Stiftungsfest 1948 wurde Logenmeister Br. Borchard wieder eingesetzt. Seine Wiederaufbauarbeit endete jedoch jäh, als er im November 1951 plötzlich in den ewigen Osten abberufen wurde.

Neuer Logenmeister wurde zum Stiftungsfest am 26. Januar 1952 Br. Artur Brück, Dr. phil. und Oberstudienrat. Als große Aufgabe wartete auf ihn die Suche nach neuen Logenräumen und neuen Mitgliedern. Das erste gelang relativ schnell; junge Suchende stellten sich im Laufe der Jahre erfreulicherweise auch ein. Durch Vermittlung von Br. Hans Sassenhausen konnte im Frühjahr 1952 das heutige Logenhaus Wilhelm-Schuy-Straße 3 von der Loge gemietet werden. Die Lichteinbringung erfolgte am 27. September 1952.

Im Jahre 1954 hat die Loge “Zu den Romeriken Bergen” diese Anfang 20. Jahrhunderts gebaute, im Krieg beschädigte geräumige Wohnhaus gekauft. Es hatte vormals der im Holocaust umgekommen jüdischen Kaufmannsfamilie Sally Cohen gehört. Von den im Ausland lebenden Erben wurde es nach dem Rückerstattungsverfahren nicht selbst genutzt. Einen Enkel Sally Cohens konnten wir 1997 in den ihm aus seiner Kinderzeit noch wohlbekannten Räumen zu einer Tempelarbeit als Bruder aus einer Brüsseler Loge begrüßen.

Das Haus konnte dank der Opferbereitschaft der Brüder zunächst im Erdgeschoss für Logenzwecke eingerichtet und genutzt werden; die beiden Obergeschossen wurden vermietet. Für die Einrichtung spendeten die Brüder 6.000 DM. Der Kaufpreis wurde zur Hälfte zunächst durch Darlehn der Brüder finanziert; zu einem beachtlichen Teil wurde später auf Zins- und Rückzahlung verzichtet. Die Ökonomie übernahm wie schon früher in der Königstraße wieder Heinrich Gillmann; die Brüder fühlten sich “zu Hause”. Seit 1965 ist das Logenhaus auch die Heimat der Johannisloge “Zur Stadt auf dem Berge” als Mieterin.

Am Stiftungsfest 1963 gab Br. Brück den Hammer weiter an Br. Ernst Hamel, Dr. jur. Rechtsanwalt und Geschäftsführer des Fachverbandes Werkzeugindustrie. Er war einer der ersten Brüder aus der “freimaurerischen Nachkriegsgeneration” und fühlte sich nicht nur der Tradition sondern auch der Heranführung der Freimaurerei an zeitnahe Fragen und Ordensregeln und Ordensehrenrecht der Großen Landesloge war er initiativ und mit eigenem kritischen Ideen beteiligt. Den meisten der heutigen Brüder war und blieb er Vorbild und Helfer auf ihrem maurerischen Weg.

Br. Horst Schmidt, der als Zahnarzt in Remscheid tätig war, übernahm am Stiftungsfest 1975 die Logenleitung. Er und Br. Alfred Semmler hatten nach einer Planung von Architekt Br. Hugo Vogel schon 1973 maßgeblich dazu beigetragen, die von der Loge genutzten Räume im Logenhaus neu und für Logenarbeit geeigneter zu gestalten.

Br. Horst Schmidt gelang es, die in Remscheid in durchaus freimaurerischer Verbundenheit tätigen Brüder der verschiedenen Großlogen und Lehrarten einander noch näher zu bringen. Seit seinem Amtsantritt gibt es die halbjährliche Gemeinschaftsarbeit mit den Johannislogen “Zur Stadt auf dem Berge” (Große National-Mutterloge “Zu den drei Weltkugeln”) unter wechselnder Hammerführung. Seit 1977 treffen sich die Brüder beider Logen monatlich einmal zu einem gemeinsamen geselligen Abend. Am 20. Mai 1978 feierte die Johannisloge “Zu den Romeriken Bergen” ihr 75-jähriges Bestehen mit einer Festarbeit und einem festlichen Abend mit den Schwestern und zahlreichen Gästen aus den benachbarten Logen auf Schloss Burg, wo Br. Schmidt auch den ersten Bergischen Logentag für alle im Bergischen Land arbeitenden Johannislogen initiierte. Seine Fortführung gelang in der Folge nicht immer wunschgemäß, hat aber in den Letzten Jahren im Märkisch-Bergischen Logentag eine hoffentlich langlebige Fortsetzung auf breiter Grundlage gefunden. Die 1957 gegründete Johannisloge “Freiheit und Licht auf dem Berge”, die der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland (A. F. u. A. M.) angehörte, fand in dieser Zeit mit ihren Arbeiten auch den Weg ins Remscheider Logenhaus. Ihre Mitglieder stammten nur in geringer Zahl aus Remscheid, so dass ihr Bestand nicht gesichert war und sich die Brüder 1988 anderen Logen anschlossen. Nach Aufgabe seines Amtes als Logenmeister im Jahre 1984 war Br. Horst Schmidt von 1985 bis 1991 Wortführender Meister der Andreasloge “Conjuncta” in Düsseldorf.

Ende des Jahre 1981 verließ der Mieter des 1. Obergeschosses das Logenhaus und stellte die Bruderschaft damit vor die Frage einer Neuvermietung oder Eigennutzung dieser Räume. Unter erneuter vorbildlicher Spendenbereitschaft und tatkräftiger Mithilfe aller Brüder gelang es Br. Schmidt gemeinsam mit Schatzmeister Br. Fritz Troost und Br. Alfred Semmler, einem Plan von Architekt Br. Wolfgang Friedrich folgend in diesem Geschoss durch Um- und Ausbau einen neuen Tempel einzurichten und das Erdgeschoss des Gebäudes der Ökonomie und geselligen Zusammenkünften vorzuhalten.

Beim Stiftungsfest 1984 wurde Baukaufmann Br. Alfred Semmler im neuen Tempel als Logenmeister eingesetzt. Private Kontakte aus dem Bruderkreis zur Peverel Lodge in Witham (Essex/England) vertieften er und eine Delegation der Loge 1987 mit einer Fahrt nach England und einer Gegeneinladung der englischen Brüder und Schwestern 1988 nach Remscheid. Hieraus hat sich bis heute eine herzliche Freundschaft mit regelmäßigen gegenseitigen Besuchen entwickelt. Von 1995 bis 1998 war Br. Semmler Wortführender Meister, anschließend abgeordneter Meister der Andreasloge “Conjuncta” in Düsseldorf; heute dient er als abgeordneter Provinzialmeister dem Orden.

Als Logenmeister trat 1990 Br. Rolf Dahlmann, Notariatsvorsteher, seine Nachfolge an. Ihm war die Festigung der Beziehung zur Peverel Lodge ein ebenso ernstes Anliegen wie die gleich nach der Wiedervereinigung Deutschlands von der Großen Landesloge der Loge “Zu den Romeriken Bergen” angetragene Patenschaft für die seit 1935 zwangsweise ruhende Johannisloge “Heinrich zur Treue” in Gera. Er und die Bruderschaft folgten dieser Bitte gern und übernahmen eine Aufgabe, die viel Arbeit aber auch viel Freude bereitete. Mit Br. Rolf Vogelsang übernahm ein Bruder, der schon als Logenmeister der Johannisloge “Zum Westfälischen Löwen” in Schwelm seine Fähigkeiten bewiesen hatte, eine existenzbedrohte Loge wieder mit Leben zu erfüllen, den Vorsitz eines Vereins und der Reaktivierungsbestrebungen vor Ort, die auch zum Erfolg führten. Im Jahre 1955 konnten die ersten drei Suchenden aus Gera zunächst als Brüder in die Loge “Zu den Romeriken Bergen” aufgenommen werden.

Von 1996 bis 2002 leitete Br. Wilhelm Ellerbrake, Oberstadtdirektor a.D., als Logenmeister die Geschicke der Loge. Nach der Aufnahme von vier weiteren Brüdern aus Gera durfte er mit zahlreichen Remscheider Brüdern, die als Doppelmitglieder auch der Geraer Loge beitraten, am 7. Juni 1997 bei der Lichteinbringung und der Reaktivierung der Johannisloge “Heinrich zur Treue” in Gera und der Einsetzung des Remscheider Br. Vogelsang als Logenmeister dieser Loge die Patenloge vertreten. Seither stehen beide Logen in enger Zusammenarbeit.

Mit dem Stiftungsfest 2002 übernahm Br. Hans Jürgen Leukel, Polizei-Hauptkommissar, das Amt des Logenmeisters. Mit voller Unterstützung und viel Eigenleistung der Bruderschaft konnte er dafür sorgen, dass die Erdgeschossräume im Logenhaus nah einer Renovierung rechtzeitig zum 100jährigen Jubiläum in frischem Glanz erstrahlen. Sein größter Wunsch ist es, dass dies auf die Loge und ihre Arbeit in naher Zukunft und auf Dauer wirksam abfärben möge.

Wir Freimaurer stellen erfreut fest, dass viele unsere Mitbürger, vielleicht ohne es zu wissen, freimaurerische Tugenden leben und freimaurerische Ideen verfolgen, ohne Freimaurer zu sein. 31 Brüder der Johannisloge “Zu den Romeriken Bergen”, allerdings in einem Durchschnittsalter von etwas über 60 Jahren, bieten ihnen und vor allem den Jüngeren mit einer Aufnahme in die Bruderkette brüderliche Gemeinschaft an. Gemeinsam lassen sich gesteckte Ziele leichter erreichen.